WARNSTREIK IM NV BÜHNE

PRESSEMITTEILUNG

Erst Münster, jetzt Düsseldorf: Beschäftigte wehren sich gegen massenhafte Nichtverlängerungen

Hamburg, 19. Oktober 2026. Der Protest gegen massenhafte Nichtverlängerungen an deutschen Theatern wächst. Am Sonntag, 18. Oktober 2026, kam es zu einer Streikkundgebung vor Beginn der Vorstellung von „La Traviata“ an der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf. Der Lokalverband der Bühnengewerkschaft GDBA wandte sich vor der Vorstellung in Düsseldorf mit einer Ansprache an das Publikum.

Die Bühnengewerkschaft GDBA hatte zu einer Streikkundgebung aufgerufen, um auf den drohenden Kahlschlag durch die neue Intendantin Ina Karr hinzuweisen. In Düsseldorf soll ein großer Teil des Ensembles zum Ende dieser Spielzeit entlassen zu werden.

Eine Woche zuvor hatten am Theater Münster die Beschäftigten für 15 Minuten die Arbeit niedergelegt und sich an das Publikum sowie den anwesenden Oberbürgermeister gewandt. Dort richtete sich der Protest gegen die geplanten weitreichenden Nichtverlängerungen durch den designierten Intendant Neil Barry Moss.

Diese Kahlschläge, die bei vielen Intendanzwechseln immer noch vorkommen, werden seit Jahren sowohl von Beschäftigten als auch von Gewerkschaften kritisiert.

„Dass eine neue Intendanz einfach das Spielbrett leerfegt und einen Großteil der Beschäftigten im künstlerischen Bereich entlässt, ist nicht mehr zeitgemäß. Auch wenn ein Intendanzwechsel ein künstlerischer Neustart ist, müssen dafür nicht die Beschäftigten im großen Stil ausgetauscht werden. Dass die Künstler*innen sich jetzt lautstark wehren, ist ein wichtiges Signal in die Branche“, so Raphael Westermeier, geschäftsführender Präsident der GDBA.

Münster und Düsseldorf stehen dabei exemplarisch für die gesamte Theaterlandschaft in Deutschland.

Die Gewerkschaften BFFS (Bundesverband Schauspiel) und GDBA haben den Tarifvertrag gekündigt, um in der laufenden Verhandlungsrunde die Regelungen zur Nichtverlängerung im NV Bühne zu reformieren.

Der Tarifvertrag soll weiterhin befristete Arbeitsverhältnisse ermöglichen. Damit die Verträge nicht willkürlich beendet werden können, fordern die Gewerkschaften unter anderem

  • Begrenzung der Nichtverlängerungen durch Quoten
  • nachvollziehbare künstlerische Begründungen
  • Abfindungen bei allen Nichtverlängerungen
  • Schutz vor Nichtverlängerungen unter anderem für Betriebs- und Personalräte, Vorstände und in der Elternzeit analog zum gesetzlichen Kündigungsschutz
  • Keine massenhafte Nichtverlängerungen bei Intendanzwechseln

Viele Beschäftigte, gerade in der Oper und im Tanz, kommen aus der ganzen Welt. Für sie hängt der Aufenthaltstitel in Deutschland an einem Arbeitsvertrag. Gerade angesichts der politischen Entwicklungen blickt die GDBA mit Sorge auf den fehlenden Schutz im Tarifvertrag NV Bühne.

Der Tarifvertrag NV Bühne ermöglicht designierten Intendant*innen an den Stadt-, Staats- und Landesbühnen die Arbeitsverträge der künstlerischen Beschäftigten auf und hinter der Bühne zu beenden. Der Hinweis auf den kommenden Intendanzwechsel reicht dabei als künstlerischer Grund aus, um die Verträge nicht zu verlängern.

Presseanfragen an presse@gdba.de

Ich brauche Hilfe