Tagung in Dresden: Barrierefreies Arbeiten bei der Deutschen Bahn AG
Der Arbeitskreis „Behinderte Menschen“ der Verkehrsgewerkschaft GDBA hatte in Zusammenarbeit mit TRANSNET zur fünften öffentliche Veranstaltung mit Arbeitgeber-, Schwerbehinderten- und Gewerkschaftsvertretern sowie Vertretern von Ämtern und Behörden unter dem Motto „Barrierefreies Arbeiten bei der Deutschen Bahn AG“ am 13. Juni 2007 nach Dresden eingeladen.
Diese Veranstaltung war Teil einer Schulung von Schwerbehindertenvertrauenspersonen der Verkehrsgewerkschaft GDBA und TRANSNET aus den unterschiedlichsten Bereichen des Bahnkonzerns. Am Vortrag kamen diese zusammen, um sich über ihre Erfahrungen und Probleme auszutauschen sowie Anregungen aus dem Behindertengleichstellungsgesetz sowie dem Sozialgesetzbuch IX im Hinblick auf die Barrierefreiheit und der Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern mitzunehmen.
Ein großes Dankeschön geht an den diesjährigen Gastgeber der Veranstaltung, die DB Fernverkehr AG, Regionalbereich Ost sowie die DB Vertrieb GmbH, regionale Verkaufsleitung Ost für ihre großzügige Unterstützung. Eingeladen hatte Heike Zelinski, Schwerbehindertenvertrauensperson der DB Fernverkehr AG, Wahlbetrieb Dresden.
Ziel war es, den Schwerbehindertenvertrauenspersonen aus dem Bahnkonzern, aber auch den geladenen Gästen Informationen durch Fachreferenten zu liefern, die über plakative Schlagwörter hinaus reichen, sowie zu einem regen Gedanken- und Meinungsaustausch zu kommen. Schließlich sollten alle Beteiligten Anregungen erhalten, wie barrierefreies Arbeiten bei der Deutschen Bahn AG vorangetrieben und optimiert werden kann.
Zu Beginn begrüßte Heike Zelinski die anwesenden Schwerbehindertenvertrauenspersonen sowie die zahlreichen Gäste und wies trotz aller Erfolge für die behinderten Menschen auf die Notwendigkeit der Tagung hin. Werner Willmann, Sprecher des Arbeitskreises Behinderter Menschen, eröffnete dann die Veranstaltung mit der individuellen Begrüßung der Gäste.
Die Arbeitgeberseite wurde repräsentiert von Kay-Uwe Arnecke, Leiter Personal Personenverkehr, Beschäftigungsbedingungen Konzern DB AG, Dr. Helmut Pust, Regionalbereichsleiter Ost DB Fernverkehr, Uwe Billerbeck, Ressort Personal, Bereich Gesundheits- und Sozialpolitik, Uwe Bäsler, Gerit Knabe, Dagmar Richter sowie Gesine Wald von DB Fernverkehr Dresden.
Die Verkehrsgewerkschaft GDBA wurde vertreten von GDBA-Vize Peter Tröge, dem Referenten für Angelegenheiten behinderter Menschen Thomas Schupp sowie von Bernd Handt, Geschäftsführer der GDBA-Geschäftsstelle Berlin. Die Konzern-Schwerbehindertenvertrauensperson Gerhard Schimm sowie einige Gesamt-Schwerbehindertenvertrauenspersonen bzw. ihre Stellvertreter waren ebenfalls anwesend.
Die Bundesagentur für Arbeit wurde vertreten durch Harald Lehmann, Leiter Abt. Reha-Team in Dresden. Aus Chemnitz war der Leiter des Integrationsamtes Sachsen, Jürgen Scholz, gekommen. Für die Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e.V. war der stellvertretende Vorstandsvorsitzende sowie Projektverantwortlicher „ÖPNV für alle“ Dr. Peter Münzberg anwesend. Die Dresden-Werbung und Tourismus GmbH wurde durch den Projektleiter „Barrierefreies Dresden“ Stefan Plechinger repräsentiert sowie der Tourismusvereins Dresden e.V. durch den stellvertretender Vorsitzender Manfred Wille.
Begrüßt werden konnten auch der Hauptschwerbehindertenvertreter sowie der besondere Hauptschwerbehindertenvertreter des Bundeseisenbahnvermögens (BEV) Helmut Bourguignon sowie Josef Haug, Andreas Lietz vom Hauptpersonalrat des BEV, aus Chemnitz Sabine Richter und Oliver Herberger von der Knappschaft Bahn See sowie die Bahnärztin Dr. Astrid Lamprecht.
Arbeitskreises-Mitglied Josef Senft stellte sodann in einem kurzen Beitrag die vergangenen aktuellen Aktivitäten des Arbeitskreises vor. Vor allem die zahlreichen Anfragen von Schwerbehindertenvertrauenspersonen aber auch von behinderten Beschäftigten zeigten, das die Aktivitäten des Arbeitskreises wahrgenommen und auch honoriert würden.
Kay Uwe Arnecke beschrieb in seinem Vortrag die aktuelle Situation behinderter Beschäftigter im DB Konzern. Es sei gelungen die Anzahl der behinderten Mitarbeiter auf 8319 (Stand Mai 2007) zu erhöhen. Gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten bedeute dies eine Quote von knapp 4,8 Prozent. Er sprach die Erfolge beim Umbau der bestehenden Bahnhöfe an, sodass behinderte Menschen nun besser reisen könnten. Als Paradebeispiel für einen barrierefreien Bahnhof diene der vor einem Jahr neu eröffnete Berliner Hauptbahnhof, so Arnecke. Er bittet aber gleichzeitig um Geduld, dass nicht alle Bahnhöfe auf einmal, besonders nicht die kleineren Bahnhöfe, barrierefrei ausgebaut werden könnten. Er hob auch die konstruktive Zusammenarbeit der gewählten Schwerbehindertenvertretungen mit den Führungskräften der Bahn hervor und erwähnte, dass das gelungene Behinderten-Sportfest im Jahr 2006 im nächsten Jahr seine Fortsetzung erfahren wird.
In seinem Grundsatzreferat ging GDBA-Vize Peter Tröge auch auf den demographischen Wandel und seine Auswirkung auf die Arbeitswelt ein. Viele Führungskräften seien in ihrem Denken noch in den Zeiten des Personalabbaus verhaftet. Doch durch die Alterung der Gesellschaft sei es nötig, nun präventiv die Fachkräfte zu sichern, die in den nächsten Jahren dringend von den Unternehmen gebraucht würden. Das bedeute zum einen eine erhebliche verstärkte Qualifizierung der Beschäftigten und eine deutlich erhöhte Anzahl von Auszubildenden. Zum anderen müsste auch verstärkt das Augenmerk darauf gerichtet werden, dass die alternden Belegschaften ihren gesundheitlichen Gegebenheiten entsprechend eingesetzt werden. Konkret müsse eine neue alters- und behindertengerechte Arbeitsorganisation installiert werden. Das Vergütungssystem der Führungskräfte sollte auch nach diesen Kriterien ausgerichtet werden, damit die Bahn mit qualifizierten Fach- und Servicekräften nachhaltig ihrem Geschäft als internationaler Mobilitäts- und Logistikdienstleister nachkommen könne.
Nach der Mittagspause hatten Dr. Helmut Pust im Zusammenspiel mit der Gesamtschwerbehindertenvertrauensperson Michael Lipski, Gelegenheit, das Unternehmen DB Fernverkehr und insbesondere die Niederlassung Ost vorzustellen. Insbesondere die gelungenen Beispiele der Integration behinderter Mitarbeiter, deren Arbeitsplätze durch Unfälle bzw. Krankheiten bedroht waren, zeigen auf, dass, wo ein gemeinsamer Wille ist, viel für die behinderten Menschen getan werden kann.
Für Konzernschwerbehindertenvertrauensperson Gerhard Schimm gehört zur Barrierefreiheit auch die zielorientierte Zusammenarbeit mit Gewerkschaftsvertretern und den zahlreichen landes-/bundespolitischen Institutionen. Zusammen mit seinen Stellvertretern beackert er mit dem ihm eigenen Humor das breite Feld der Barrierefreiheit und der Integration behinderter Beschäftigter im Bahnkonzern. Viele Erfolge konnten schon errungen werden. Der Anstieg der Quote behinderter Beschäftigter sowie der Anstieg der Anzahl neu eingestellter behinderter Bahn-Azubis von Null auf heute fast zwanzig sind sicherlich auch der beharrlichen Arbeit der Schwerbehindertenvertrauenspersonen im Konzern zu verdanken. Auch die Durchführung der Behinderten-Sportfeste wäre ohne das Engagement der Schwerbehindertenvertrauenspersonen nicht möglich gewesen.
Uwe Billerbeck erläuterte die Erfahrungen mit dem neuen Zentrum für behinderte Azubi-Bewerber. Die Bahn hat ein Kompetenzzentrum in Berlin installiert, das die Bewerber kontaktiert und Beratung für die Jugendlichen über die Geschäftsfelder der Bahn sowie die angebotenen Berufsausbildungen anbietet. Wichtig sei hier die pragmatische Zusammenarbeit mit der Konzernschwerbehindertenvertretung, den Berufsbildungswerken und das Prinzip ‚Unternehmen kommt zum Bewerber’.
Der Experte der Bundesagentur für Arbeit, Harald Lehmann, erläuterte die Aufgaben seiner Institution in bezug auf die beeinträchtigten Menschen. Er forderte die Beteiligten dazu auf, ‚50plus’ – das Programm für ältere Arbeitsuchende – mit Leben zu erfüllen, damit Ältere nicht länger ausgegrenzt bleiben. Er plädierte für Teilhabe statt Isolation. „Wir bauen alle Barrieren selbst, niemand sonst. Zuerst müssten sie aus den Köpfen verschwinden!“
Jürgen Scholz, Leiter des Integrationsamtes Sachsen, bedauerte, dass Gelder der Ausgleichsabgabe von den Unternehmen nicht voll ausgeschöpft würden. Allerdings sei auch das unterschiedliche Handling der Ausgleichsabgabe in den Bundesländern ein Grund für Unterschiede in den Regionen. Die Arbeitgeber bei der Eingliederung Schwerbehinderter zu beraten und zu unterstützen, sei eine der Aufgabe der Integrationsämter.
‚ÖPNV für alle im Freistaat Sachsen’ ist ein in die Zukunft reichendes Projekt der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e.V., das der Projektverantwortliche Dr. Peter Münzberg vorstellte. Es hat barrierefreies Reisen mobilitätseingeschränkter Kunden, besonders in S-Bahnen und im Regionalverkehr zum Ziel. Eingebunden sind z. B. Verkehrsverbünde, Verkehrsbetriebe, die DB AG und der Freistaat Sachsen. Es gibt hier bereits etliche erfolgreiche Realisierungen. Er legte Wert auf die Grundüberlegung, nicht gegeneinander, sondern gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Sein Wunsch: „... lieber die drittbeste Lösung heute, als die zweitbeste in zehn Jahren, oder die allerbeste nie…“
‚Sachsen barrierefrei’ – so heißt die Publikation, die die Dresden-Werbung und Tourismus GmbH als verantwortlicher Projektträger herausgegeben hat und von Projektleiter Stefan Plechinger vorgestellt wurde. Neben einer ausführlichen Übersicht über viele behindertengerechte Beherbergungsbetriebe, Kultur- und Freizeiteinrichtungen bietet die Broschüre u. a. Post- und Internet-Adressen wichtiger Interessenverbände, Verkehrsverbünde, Flughäfen und der Bahn.
Die aus Zeitgründen leider nur kurze Diskussion machte deutlich, wie wichtig das gemeinsame Gespräch ist, um eventuell unterschiedlichen Ansichten zu verstehen und dann aber zu Lösungen im Sinne der und - ganz wichtig - zusammen mit den behinderten Menschen zu kommen. Nach Tagungsende rundete ein gemeinsamer Besuch der Dresdner Frauenkirche den späten Nachmittag ab.
Am nächsten Morgen sammelten sich die Schwerbehindertenvertrauenspersonen vor ihrem behindertengerechten Konferenz-Hotel gegenüber der Dresdner Frauenkirche, um eine sachkundige Führung durch die Dresden Altstadt unter dem Aspekt der Barrierefreiheit mitzumachen, damit sie diese Anregungen in alle Teile der Republik mit nach Hause nehmen können. Denn im Bereich Barrierefreiheit ist die Stadt Dresden vorbildlich aktiv.
Den Gästen, den Referenten, den Mitgliedern des Arbeitskreises, den Sponsoren Sparda-Banken und DEVK Versicherungen sowie allen weiteren Beteiligten gebührt ein großes Dankeschön für die gelungene Veranstaltung und den freimütigen Gedanken- und Informationsaustausch. Klar ist allen Teilnehmern: Zum Weg des barrierefreien Lebens und Arbeitens gibt es keine Alternative! Insofern ist dieser Weg in der alltäglichen Arbeit aber auch mit Veranstaltungen wie dieser in Dresden zielstrebig weiterzugehen. Die Verkehrsgewerkschaft GDBA mit ihrem Arbeitskreis „Behinderte Menschen“ will und wird ihren Teil dazu beitragen, damit die behinderten Menschen nicht auf der Strecke bleiben.
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