Zusammenarbeit - nur Vorne ist das Ziel
Am 27. Juni 2006 fand im Rahmen einer Schulung von Schwerbehindertenvertrauenspersonen von Verkehrsgewerkschaft GDBA und TRANSNET die 4. öffentliche Veranstaltung des Arbeitskreises Behinderte Menschen beim geschäftsführenden Bundesvorstand der Verkehrsgewerkschaft GDBA mit Arbeitgeber- und Gewerkschaftsvertretern sowie Vertretern von Ämtern und Behörden in Cottbus statt.
Mitglieder und stellvertretende Mitglieder des Arbeitskreises Behinderter Menschen Peter Tröge, stellvertretender Bundesvorsitzender der Verkehrsgewerkschaft GDBA Elvira Peters, Mitglied des Arbeitskreises Behinderte Menschen, führte durch die Veranstaltung Reihe vorne v. l. n. r.: Bernd Fröhlich, TRANSNET; Bernd Handt, stv. Vorsitzender des Bezirks Nord-Ost der Verkehrsgewerkschaft GDBA; Gerhard Schimm, Konzernschwerbehinderten-vertretung; Uwe Billerbeck, DB AG und Peter Tröge Reihe vorne v. l. n. r.: Andreas Zylka, Karsten Preißel, Christian Hocke, Antje Wolff, alle Arbeitgebervertreter von DB Regio, Region Nordost Schwerbehindertenvertrauenspersonen der DB AG bei der Besichtigung des DB Werks in Cottbus Die seit 2003 jährlich durchgeführte Veranstaltung wurde bisher bei Railion Hannover/Bremen, bei DB Netz Berlin sowie DB Regio NRW Köln durchgeführt. Sie erfreut sich einer ständig steigenden Resonanz und hat inzwischen eine hohe Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden.
Diesjähriger Gastgeber der Veranstaltung war die Niederlassung Cottbus der DB Regio AG, Berlin/Brandenburg. Eingeladen hatten die Schwerbehindertenvertrauensperson der Niederlassung, Manfred Düring, der leider erkrankt war, sowie sein Stellvertreter Guido Lehmann. Die Veranstaltung lief in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit der Gewerkschaft TRANSNET unter dem Motto „Zusammenarbeit - nur Vorne ist das Ziel“.
Ziel war es, Schwerbehindertenvertrauenspersonen aus dem Bahnkonzern, aber auch den geladenen Gästen Fakteninformationen durch Fachreferenten zu liefern, die über plakative Schlagwörter hinaus reichen, sowie zu einem regen Gedanken- und Meinungsaustausch zu kommen. Schließlich sollten alle Beteiligten Anregungen erhalten, wie die Integration und der Beschäftigungserhalt behinderter Menschen in Unternehmen optimiert werden können.
Am Vortag der Veranstaltung kamen Schwerbehindertenvertrauenspersonen aus den unterschiedlichsten Bereichen des Bahnkonzerns zusammen, um sich über ihre Erfahrungen und Probleme auszutauschen sowie Anregungen zur Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern mitzunehmen.
Die Gewerkschaften wurden vertreten vom stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Verkehrsgewerkschaft GDBA Peter Tröge, vom Referenten für Angelegenheiten behinderter Menschen Thomas Schupp, vom Geschäftsführer des Bezirks Nord-Ost der Verkehrsgewerkschaft GDBA Bernd Handt sowie vom Gewerkschaftssekretär der TRANSNET Bernd Fröhlich.
Der Betriebsratsvorsitzende Ingo Koch von DB Regio, Regionalbereich Berlin/Brandenburg, richtete ein Grußwort an die Versammlung.
Die Arbeitgeber wurden repräsentiert von den Regionalbereichsleitern Andreas Zylka, Personal/Arbeit und Karsten Preißel, Technik; vom Zweigniederlassungsleiter Cottbus, Christian Hocke; von der Personalleiterin ZNL Cottbus, Antje Wolff, alle DB Regio; ferner von Uwe Billerbeck, DB AG, Grundsatzfragen Behindertenangelegenheiten; von der Personalleiterin der DB Netz Ost, Karin Albers, und nicht zuletzt von der Integrationsberaterin Konradine Kons von DB JobService.
Die Konzern-Schwerbehindertenvertrauensperson Gerhard Schimm sowie die stellvertretende Gesamt-Schwerbehindertenvertrauensperson von DB Regio, Karlheinz Buchner, waren ebenfalls anwesend.
Die Bundesagentur für Arbeit, Regionaldirektion Berlin-Brandenburg wurde durch Rainer-Maria Geisler, den Leiter Stab Großkundenbetreuung, vertreten. Vom Landesamt für Soziales und Versorgung des Landes Brandenburg war Jürgen Dusel, Leiter des Integrationsamtes, gekommen.
Das Leistungsangebot des Bahn-Sozialwerks (BSW) wurde durch den Regionalleiter Ost, Walter Kleimann, vorgestellt.
Von der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See standen die Reha-Fachberaterin Barbara Franz und die Reha-Auskunftsberaterin Karin Balisch zur Auskunft bereit.
Elvira Peters, Mitglied des Arbeitskreise Behinderter Menschen, eröffnete an Stelle des kurzfristig erkrankten Sprechers des Arbeitskreises, Werner Willmann, die Veranstaltung und moderierte den weiteren Verlauf. Josef Senft, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, stellte in einem kurzen Beitrag die Aktivitäten des Arbeitskreises vor.
In seinem Grundsatzreferat ging der stellvertretende GDBA-Bundesvorsitzende Peter Tröge auf den Erhalt der Beschäftigungsfähigkeit durch Kompetenz und Gesundheit - gerade auch bei behinderten Menschen - ein. Der Arbeitnehmer sollte seine Beschäftigungsfähigkeit (Employability) durch Kompetenz, u. a. durch lebenslanges Lernen und durch eigene Aktivitäten zu möglichst langer Gesunderhaltung und Fitness bewahren. Die Sozialpartner aber auch die Politik trügen mit den nötigen Rahmenbedingungen (z. B. gesetzliche und tarifliche Regelungen, Gesundheitsfördermaßnahmen) mit dazu bei. In diesem Zusammenhang ging Peter Tröge auch auf den demographischen Wandel und seine Auswirkung auf die Arbeitswelt und insbesondere auf die Auswirkungen auf die Gesundheit der Beschäftigten bei immer längeren Lebensarbeitszeiten ein.
Am gleichen Tag noch hatte Peter Tröge einen Termin im Deutschen Bundestag in Berlin, um dort noch einmal die Arbeitnehmergruppe des Bundestages sehr deutlich auf die Folgen einer möglichen Zerschlagung des Bahnkonzerns hinzuweisen. Die anwesenden Schwerbehindertenvertrauenspersonen gaben ihm eine Resolution mit auf den Weg, in der sie eindringlich für den Erhalt der Bahn als integrierter Konzerns eintreten, gerade auch, weil behinderte Menschen unter den Trennungsfolgen besonders zu leiden hätten.
Der Experte der Bundesagentur für Arbeit, Rainer-Maria Geisler, erläutert die Aufgaben seiner Institution in Bezug auf die beeinträchtigten Menschen. Personen ab Grad der Behinderung 50, die Hilfe für die Teilhabe am Arbeitsleben brauchen, werden von der Arbeitsagentur speziell betreut. So sollen z. B. frühzeitig eingeleitete Maßnahmen für mehr Chancen auf dem Arbeitsmarkt sorgen. Solche Aktivitäten könnten einen durch die Agentur für Arbeit unterstützten Berufseinstieg oder Wiedereingliederungshilfen für junge Erwachsene erzeugen und den Betroffenen damit eine berufliche Außenseiterposition ersparen, wenn diese aktiv mitwirken. In jedem Einzelfall sollte eine enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber erfolgen.
Resolution der Teilnehmer:
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die unten unterzeichnenden Schwerbehindertenvertrauenspersonen der Verkehrsgewerkschaft GDBA und der TRANSNET, möchten stellvertretend für alle schwerbehinderten Beschäftigten bei der DB AG unsere Bedenken bezüglich einer Zerschlagung des Konzerns DB AG kund tun.
Gerade für die schwerbehinderten Menschen bei der DB AG ist der behindertengerechte Arbeitsplatz überlebenswichtig. Eine Abtrennung des Netzes bedeutet Vernichtung von Arbeitsplätzen. Besonders in den Tochtergesellschaften des DB Konzerns, in denen ein großer Tel der Kolleginnen und Kollegen mit Behinderung tätig sind, sind diese Arbeitsplätze existenziell gefährdet. Aus diesem Grund herrscht eine große Unsicherheit bei den betroffenen Kolleginnen und Kollegen, da größtenteils Arbeitslosigkeit und Hartz IV als Perspektive gesehen wird. Die negative Perspektive kann weder vom DB Konzern noch von der Politik gewollt sein.
Um eine weitere Einschränkung behinderter Menschen an der Teilhabe am öffentlichen Leben zu verhindern, fordern wir: Finger weg vom Bahnkonzern
22 Schwerbehindertenvertrauenspersonen der Verkehrsgewerkschaft GDBA und der Gewerkschaft TRANSNET
In seinem Vortrag ging Uwe Billerbeck vom Referat Grundsatzfragen Behindertenangelegenheiten der DB AG, der für die erkrankte Sabine Belter gekommen war, u. a. auf das Projekt zur verstärkten Einbeziehung behinderter Azubis ein. Auch er sieht, dass noch zu oft Fördermöglichkeiten ‚verschenkt’ würden, weil beispielsweise bei ihrer Bewerbung Jugendliche ihre Behinderung aus Angst nicht zu erkennen geben.
Uwe Billerbeck erklärte als Projektziel, künftig mehr behinderte Azubis einzustellen, etwa 15-20 pro Jahr. Ein Kompetenzzentrum wurde in Berlin installiert, das die Bewerber kontaktiert und Beratung für die Jugendlichen für die Geschäftsfelder der Bahn anbietet, z. B. über Fördermöglichkeiten. Die DB AG bekennt sich nach Aussage von Uwe Billerbeck zur Ausbildung behinderter Jugendlicher, auch dazu, mehr als bisher zu tun.
Die Konzern-Schwerbehindertenvertrauensperson Gerhard Schimm ging speziell auf drei Punkte ein. Er warnte davor, für schwerbehinderte Arbeitnehmer das Renteneintrittsalter heraufzusetzen. Er fühlte sich dabei in einem Gespräch mit Karin Meyer-Evers, der Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, bestätigt. Gerhard Schimm rief dazu auf, auch entsprechende Vereinbarungen mit dem Bahn-Konzern zu treffen.
Zum betrieblichen Eingliederungsmanagement stellte er die überarbeitete Konzernrichtlinie (KoRil) 161 und die Vorschläge der Schwerbehindertenvertretungen hierzu vor. Anhand einer Gegenüberstellung erläuterte er die vorgeschlagenen Änderungen. Von den Bahn-Führungskräften wünscht sich Gerhard Schimm in Zukunft entschieden mehr Anstrengungen zur Einstellung behinderter Azubis als bisher.
Die Regionalleiter von DB Region Nordost stellten in ihren Beiträgen die aktuelle Situation bei DB Regio dar. Sie fanden in ihren Beiträgen durchweg positive Worte und würdigten die Leistungen der DB Regio-Beschäftigten im „knallharten Wettbewerb“. Leider sahen sie hier in der Region Nordost wegen des noch immer „umfassenden Arbeitsplatzabbaus“ keine Möglichkeit, behinderte Azubis einzustellen.
Bernd Fröhlich, Gewerkschaftssekretär der TRANSNET, verteidigte die Interessen der Beschäftigten mit Handicap im DB Konzern, der mit Blick auf diese Mitarbeiter erst recht nicht zerschlagen werden sollte. An die Arbeitgeber appellierte er, die regulären Wahlen zu den Schwerbehindertenvertretungen im Herbst 2006 gründlich vorzubereiten und entsprechend personell und organisatorisch zu unterstützen, damit diese reibungslos durchgeführt werden könnten.
Mit einem alten Vorurteil räumte Jürgen Dusel auf: Behinderte Arbeitnehmer seien viel weniger leistungsschwach als allgemein behauptet. Sie zeigten oft wesentlich höhere Motivation als andere Beschäftigten. Jürgen Dusel erinnerte auch daran, dass die Ausgleichsabgabe der Unternehmen als Sondervermögen zähle. Es fließe an jene Arbeitgeber zurück, die Schwerbehinderte einstellten. Die Leistungen der Integrationsfachdienste sollten, so der Leiter des Integrationsamtes, stärker und öfter in Anspruch genommen werden.
In der lebhaften Diskussion kam ein Problem im Umgang des Arbeitgebers mit den behinderten Mitarbeitern immer wieder zur Sprache: Es ist das ‚schwarze Loch’, in das untauglich gewordene behinderte Eisenbahner fallen, weil für sie der Beschäftigungs-Sicherungs-Tarifvertrag (BeSiTV) kein soziales Netz vorsieht. Diese Mitarbeiter sind vor verhaltensbedingten Kündigungen nicht geschützt. Hier sollte das Unternehmen DB AG schnell reagieren. Allerdings dürfe ein Arbeitgeber aus Wettbewerbsgründen keine Arbeitsplätze subventionieren, warnte der Arbeitsagenturvertreter.
Die Diskussion macht auch deutlich, dass Einfühlungsvermögen und gegenseitiger Respekt z. B. in Begrüßungsgesprächen viele Ängste abbauen könnten. Eine noch engere Zusammenarbeit des Arbeitgebers mit den Schwerbehindertenvertrauenspersonen halten die Tagungsteilnehmer für dringend geboten.
Den Gästen, den Referenten, den Mitgliedern des Arbeitskreises, den Sponsoren und allen weiteren Beteiligten gebührt ein großes Dankeschön für den freimütigen Gedanken- und Informationsaustausch.
Am 28. Juni 2006 wurden die Lebenshilfe-Werkstätten "Hand in Hand" GmbH in Cottbus besucht. Begleitet wurde die Besuchergruppe u. a. von Frau Wolff, Personalleiterin von DB Regio Cottbus, Thomas Schupp, Referent für Behindertenangelegenheiten der Verkehrsgewerkschaft GDBA sowie Bernd Fröhlich, Gewerkschaftssekretär der TRANSNET. Unter der Führung des Werkstattleiters Heiko Riedel sowie der Sozialarbeiterin Katrin Schiffner sowie zweier weiterer Mitarbeiter besichtigten die Veranstaltungsteilnehmer die verschiedenen Produktionsbereiche dieser Behindertenwerkstätten, um sich so einen Eindruck über die Qualität und Quantität sowie die Arbeitsorganisation zu verschaffen.
Im Anschluss ging es weiter zum Werk der DB AG in Cottbus, wo zuerst in der Kantine die Besucher verpflegt wurden. Anschließend fand die Begrüßung durch den Werksleiter Dietmar Schmidt statt. Matthias Mittig, Bereichsleiter der Behindertenwerkstatt, führte die Besuchergruppe durch die Behindertenwerkstatt des Werkes. In einer besonderen Vereinbarung mit dem Landkreis arbeiten hier seit Anfang der neunziger Jahre - einmalig bei der DB AG - neben körperlich auch geistig behinderte Menschen. Schließlich besichtigten die Schwerbehindertenvertrauenspersonen in einem Rundgang das riesige Ausbesserungswerk. Dort konnten Einblicke in die Produktionsprozesse des Werks gewonnen werden.
Seite weiterempfehlen Seite drucken