Neues Einstellungs-Konzept für Auszubildende der Bahn

In den vergangenen Jahren hatten die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die gdba-jugend immer wieder die ständig sinkende Zahl von Azubi-Einstellungen, das mangelhafte Azubi-Marketing, den katastrophalen Übernahmeprozess und letztlich die fehlende Mittel- und Langfristplanung für Azubi kritisiert und gleichzeitig Vorschläge für den Gesamtprozess der Gewinnung, Übernahme, Pflege und Integration von Auszubildenden gemacht. Jetzt endlich erkennen auch Konzernvorstand und Unternehmensbereiche den Wert eines solchen Gesamtprozesses.

Im Rahmen der Vertrauensoffensive Bahn hat die Verkehrsgewerkschaft GDBA im in Abstimmung mit der gdba-jugend in den einzelnen Fachteams ihre Vorstellungen überzeugend einbringen können. Danach ist folgendes geplant bzw. befindet sich bereits in der Umsetzung:

Azubi-Marketing

Ein wichtiger Weg zur Gewinnung von Nachwuchskräften für die Deutsche Bahn AG beruht auf der Berufsausbildung. Ihr Erfolg ist eng verknüpft mit der bedarfs- und anforderungsgerechten Gewinnung geeigneter Jugendlicher. Dabei kommt dem Auszubildendenmarketing eine besondere Aufgabe zu. Ein systematischer und einheitlicher Prozess Marketing und Auswahl/ Einstellung für die Besetzung von Ausbildungsplätzen ist bei der Deutschen Bahn AG bislang nicht vollständig realisiert worden. Im Rahmen der Vertrauensoffensive wurde festgelegt, den Prozess Marketing und Auswahl/Einstellung für die Besetzung von Ausbildungsplätzen zu überprüfen und bedarfsgerecht zu einem systematischen und einheitlichen Ablauf weiter zu entwickeln. Die Einführung beginnt sofort und hat nur für das Jahr 2003 Gültigkeit. Es wird im Rahmen der Vertrauensoffensive weiter entwickelt
Die Werke im Bereich TI sind von diesem Procedere ausgeschlossen und führen ihre Einstellungen von Azubi weiterhin eigenständig durch.
Im Einzelnen werden folgende Ziele verfolgt:

Zur Zielerreichung sind folgende Schritte vorgesehen:

Innerhalb dieses Zeitrahmens ist auch die Beteiligung der örtlichen Betriebsräte zu leisten. BR und JAV sind am Einstellungsgespräch zu beteiligen

Die innerbetriebliche Interessenvertretung der einstellenden/ausbildenden Betriebe erhält einen Lesezugriff auf die in People-Soft erfassten Bewerberdaten.

Azubi-Übernahme

Eine systematische und für alle Unternehmensbereiche einheitliche Übernahmeplanung ist bislang nicht vollständig realisiert worden. In vielen Fällen erhalten Auszubildende spätestens im Oktober gem. MTV Azubi § 16 ein Schreiben, dass sie nicht übernommen werden. Dies führt häufig dazu, dass die Bahn Auszubildende verliert. Folgen: es entsteht materieller Schaden und Imageverlust innerhalb und außerhalb der Bahn. Im Rahmen der Vertrauensoffensive wurde festgelegt, den Übernahmeprozess zu überprüfen und bedarfsgerecht weiter zu entwickeln. 
Im Einzelnen werden folgende Ziele verfolgt:

An den runden Tischen sind die Betriebsräte und JAV zu beteiligen.

Im Regelfall soll die Übernahmeentscheidung 6 Monate vor Ausbildungsende getroffen, dem Auszubildenden schriftlich mitgeteilt und die notwendige Mitbestimmung realisiert werden.
Vorteile:

Azubi-Planung

Zu Beginn der Bahnreform befanden sich noch über 21.000 junge Leute in der Ausbildung bei der Bahn. In diesem Jahr wird diese Zahl auf 1/3 sinken. Grund: Seit Jahren fährt die Bahn ihre Ausbildungszahlen massiv zurück. Im Jahre 2001 waren gerade mal 1.250 Ausbildungsplätze in der Planung. Viel zu wenig, wie die Verkehrsgewerkschaft GDBA immer wieder bei Verhandlungen mit dem Bahnvorstand monierte. Mittlerweile liegt diese Quote  bei ca. 4,5%; aber auch das nur, weil man noch von den höheren Ausbildungszahlen der vergangenen Jahre „zehrt“. Überdeutlich wird, dass sich die Entwicklung in Richtung 1,5% bewegt. Allein, um den natürlichen Altersabgang auffangen zu können, ist eine kontinuierliche Ausbildungsquote von ca. 4,5% erforderlich. Wenn die Entwicklung so weiter geht, wird in einigen Jahren Personal fehlen.

Die bisherige Personalplanung Azubi, wenn sie denn überhaupt eine war, gleicht einem ständigen Auf und Ab. Je nach augenblicklicher Lage werden Zahlen rauf- und runtergefahren. Dabei wird wohl kaum bedacht, dass von der Planung bis zur Bereitstellung von qualifiziertem Personal ein Zeitraum von ca. vier bis fünf Jahren erforderlich ist.

Der Konzernvorstand muss in der Lage sein, auf der Grundlage seiner geplanten Geschäftsaktivitäten festzustellen, wie viel Personal er braucht und dies - unter Einbindung der Regionen und den Sozialpartnern - in Mittel- und Langfristpersonalplanungen darzustellen.

Die blanken Personalzahlen allein reichen aber nicht für eine Personalplanung. Entwicklung der Ausbildungsberufe und Weiterqualifizierungen sowie das Anwerben von Azubi in die entsprechenden Bildungsmaßnahmen gehören mit in die Planungsprozesse.

Die Verkehrsgewerkschaft GDBA wird sich im Rahmen der Vertrauensoffensive - Bereich Azubi/Nachwuchskräfte - dafür einsetzen, dass hierdurch ein Beitrag zu einer effektiven Nachwuchsgewinnung sowie einer hochwertigen Ausbildung geleistet wird und sich die Bahn auch weiterhin als attraktives Ausbildungsunternehmen darstellen kann. Mit der Weiterentwicklung des Prozesses Azubi-Übernahme soll ein systematischer und einheitlicher Ablauf sichergestellt werden, der Teil eines Gesamtpersonalplanungsprozesses ist.

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