Seit der Bundestagswahl steht das Thema Pkw-Vignette auf der politischen
Agenda. Obwohl Verkehrsminister Peter Ramsauer mehrfach abgewiegelt hat, gilt
der CSU-Politiker als aufgeschlossener Vertreter einer Vignetten-Lösung. Die
Allianz pro Schiene
und ihre 17 Mitgliedsverbände warnen die Bundesregierung in einer Resolution vor
einem „verkehrspolitischen Schnellschuss“.
Das Verkehrsbündnis, dem
Umweltverbände, Gewerkschaften und mehrere Autoclubs angehören, wendet sich
gegen das „Pickerl“, das alle Autofahrer unabhängig von ihrer Fahrleistung
gleichmäßig zur Kasse bittet. Der Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, Dirk
Flege, verwies darauf, dass die südlichen Bundesländer seit Jahren an der
Einführung einer Autobahn-Vignette für Pkw arbeiteten. „Eine
Bundesratsinitiative Baden-Württembergs steht unmittelbar bevor“, sagte Flege.
„Ob das Kanzleramt will oder nicht, das Thema kommt wieder hoch.“
Michael Gehrmann, Bundesvorsitzender des Verkehrsclubs Deutschland (VCD),
kritisierte die Autobahnvignette als „Flatrate für Vielfahrer“. Zwar sei das „Pickerl“
für klamme Politiker verlockend, weil es nicht nur einfach und schnell
einzuführen sei, sondern auch mit einem Schlag Milliarden in die Staatskasse
spülen würde. „Über den schnellen Euro hinaus hat die Vignette eine
umweltpolitisch negative Lenkungswirkung“, sagte Gehrmann. Aus der
Verbände-Resolution nannte Gehrmann gute Gründe gegen die Vignette: Sie sei
ungerecht, weil sie Vielfahrer bevorzuge. Als „Flatrate“ sei sie
verkehrspolitisch rückschrittlich. Gehrmann forderte stattdessen ein
„intelligenteres Maut-Gesamtkonzept“. „Wir stellen uns dabei ein Stufenmodell
vor, in dem an erster Stelle die fahrleistungsabhängige Lkw-Maut
weiterentwickelt wird“, sagte Gehrmann. Zunächst müssten alle Lkw auf allen
Straßen mautpflichtig sein, danach wären auch Fernbusse in die Mautverpflichtung
einzubeziehen. „Erst wenn die vorhandenen Instrumente eingesetzt worden sind,
sollte man über eine fahrleistungsabhängige Pkw-Maut nachdenken.“
Für Allianz pro Schiene-Geschäftsführer Flege muss die Autobahnvignette im Zusammenhang mit einem weiteren Lieblingsgedanken der neuen schwarz-gelben Bundesregierung gesehen werden: Nach dem Modell „Straße finanziert Straße“ prüft das Bundesverkehrsministerium zurzeit „geschlossene Finanzierungskreisläufe“. Danach sollen auch die Einnahmen aus der Lkw-Maut zwingend in den Straßenbau und nicht mehr wie bisher in die Verkehrsinfrastruktur insgesamt zurückfließen. „Ein solches Modell wäre eine abwegige Selbstfesselung der Politik: Alle Gelder müssten zwingend in den Straßenbau fließen und zwar selbst dann, wenn Investitionen in andere Verkehrsträger deutlich sinnvoller wären“, sagte Flege. Erst Vignette und Kreislauffinanzierung zusammen machten das verkehrspolitische Konzept von Schwarz-Gelb transparent: „Es geht schlicht und einfach um immer mehr Asphalt.“ Die zweiseitige Resolution „Nein zur Autobahn-Vignette für Pkw – Lkw-Maut weiterentwickeln“ wurde von allen 17 Mitgliedsverbänden der Allianz pro Schiene unterzeichnet.
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