Mit Warnstreiks und Demonstrationen von Flensburg bis München machen heute und in den kommenden Tagen tausende Beschäftigte aus dem Öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen ihrem Unmut über die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber bei den laufenden Tarifverhandlungen Luft. Das kündigte der dbb-Verhandlungsführer Frank Stöhr, erster Vorsitzender der dbb tarifunion und zweiter dbb Bundesvorsitzender, an, nachdem auch die zweite Verhandlungsrunde in Potsdam ergebnislos vertagt worden war.
„Die Beschäftigten sind empört über die Nullrunden-Taktik der Arbeitgeber und
werden nun auf der Straße zeigen, dass sie hinter unserer Gesamtforderung von
fünf Prozent stehen. Wir haben faire Verhandlungen verdient und keine
Hinhaltetaktik“, sagte Stöhr zu dpa. Die Forderung sei begründet, weil sie neben
einem Gehaltszuwachs strukturelle Verbesserungen verlange, die den Öffentlichen
Dienst gerade in Zeiten des demographischen Wandels leistungsfähig halten. „Ich
denke, dass mit unseren bundesweiten Aktionen Bewegung in die Verhandlungen
kommt“, sagte der dbb-Verhandlungsführer, „wir wollen konstruktiv und
ergebnisorientiert zu einer Lösung kommen.“ Für den Fall, dass auch die dritte
Verhandlungsrunde, die am 10. Februar 2010 in Potsdam beginnt, ohne Einigung
endet, spreche viel für ein Schlichtungsverfahren, so Stöhr.
Gegenüber
dem rbb-inforadio machte Stöhr nochmals deutlich, dass die Beschäftigten nicht
für die Finanznot der öffentlichen Haushalte zur Verantwortung gezogen werden
dürften. „Die Krise der öffentlichen Haushalte haben Banker und Politiker
verursacht. Es kann nicht angehen, dass die Beschäftigten das jetzt aus ihren
Portemonnaies bezahlen sollen.“ Stöhr appellierte mit Blick auf die Warnstreiks
an die Bevölkerung, Verständnis für die Protestmaßnahmen der Beschäftigten zu
haben: „Wir gehen nicht nur für uns alleine auf die Straße, sondern für einen
leistungsfähigen Öffentlichen Dienst, der im Interesse aller Bürgerinnen und
Bürger liegt.“ Der dbb ist mit einem Forderungspaket im Gesamtvolumen von 5
Prozent für die knapp zwei Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen in die
Einkommensrunde 2010 gegangen. Neben einer spürbaren linearen
Gehaltsverbesserung beinhaltet die dbb-Forderung verschiedene qualitative
Komponenten wie die Verbesserung von Aufstiegen, Höhergruppierungen und
Beförderungsmöglichkeiten, die Fortführung der Altersteilzeitmodelle, die
Übernahme der Auszubildenden und Anwärter sowie strukturelle Verbesserungen in
den Bereichen Nahverkehr, Versorgung und Krankenhäuser.
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