Protest in Berlin: Mehr als 4.000 zeigen der „gelben Politik“ die „rote Karte“
Mehr als 4.000 Betriebsräte und Gewerkschaftsmitglieder haben am Montag, dem 6. Juni 2005, vor der FDP-Zentrale in Berlin demonstriert. Ihr Protest richtete sich im Vorfeld der Aufsichtsratswahlen der DB AG gegen Pläne der Liberalen, Arbeitnehmerrechte massiv zu beschneiden. Aufgerufen zu der Aktion hatten die Verkehrsgewerkschaft GDBA und die Gewerkschaft TRANSNET. Beide Gewerkschaften werteten die Kundgebung als Erfolg und klares Bekenntnis zur sozialen Marktwirtschaft.
Unter dem Motto „Rote Karte für diese gelbe Politik“ waren die Demonstranten zuvor vom Bahnhof Friedrichstraße zur Reinhardtstraße gezogen. Viele Teilnehmer des von der Gewerkschaft TRANSNET und Verkehrsgewerkschaft GDBA organisierten Protestmarsches hatten sich mit roten Karten ausgestattet.
GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel nannte die Vorhaben der FDP auf einer sich anschließenden Kundgebung „einen Frontalangriff“ auf die Arbeitnehmer und ihre Gewerkschaften. Er warnte die Liberalen zugleich davor, Arbeitnehmer und Arbeitslose gegeneinander auszuspielen. Es sei „blanker Unfug und schon zynisch“, zu behaupten, dass angeblich nur die Arbeitnehmerrechte schuld an der hohen Arbeitslosigkeit in Deutschland seien, machte Hommel unter dem Beifall mehrerer Tausend Demonstranten deutlich.
Norbert Hansen, Vorsitzender der Gewerkschaft TRANSNET, erklärte, Demokratie in Deutschland sei „direkt mit der Geschichte der Arbeitnehmer und ihrer Interessenvertretung verbunden“. Arbeitnehmer- und Gewerkschaftsrechte seien „feste Bestandteile der sozialen Marktwirtschaft.“ Diese Rechte wolle die FDP angreifen. Sie beschädige damit „die Grundpfeiler der sozialen Marktwirtschaft.“
Der Vorsitzende des Konzernbetriebsrates der DB AG, Günter Kirchheim, bezeichnete die Protestaktion als „klares Bekenntnis“ zur Mitbestimmung in Deutschland. So sichere beispielsweise die Unternehmensmitbestimmung in Deutschland den sozialen Frieden innerhalb der Betriebe. Oftmals seien es die Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsräten gewesen, die mit ihren Ideen für Innovationen gesorgt hätten. „Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der DB AG haben mit ihren Argumenten und Aktionen dafür gesorgt, dass Investitionsmittel aufgestockt werden.“ Schon deshalb sei „Nachhilfeunterricht durch die FDP in Sachen Mitbestimmung völlig fehl am Platze“, sagte Kirchheim.
Anlass der eindrucksvollen Protestaktion war ein Bundestagsantrag der FDP-Fraktion unter dem Stichwort „Vorfahrt für Arbeit.“ Darin fordern die Liberalen unter anderem, dass nahezu jeder Tarifvertrag durch betriebliche Absprachen ausgehebelt werden kann. Zugleich soll die paritätische Mitbestimmung abgeschafft werden. Die FDP spricht sich dafür aus, die Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen zu kappen. Außerdem soll das Streikrecht massiv eingeschränkt werden.
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