Zerschlagung des Konzerns gefährdet Arbeitsplätze
Die Verkehrsgewerkschaft GDBA wehrt sich gegen eine Herauslösung des Netzes aus dem Bahnkonzern. Auch ein Herausbrechen des Fahrwegs würde die großen Probleme bei der Finanzierung der Infrastruktur nicht lösen, in jedem Fall aber den Anfang vom Ende der Deutschen Bahn AG markieren und geradewegs in die vollständige Auflösung des Konzerns münden. Dieser Standpunkt der Verkehrsgewerkschaft GDBA ist hinlänglich bekannt.
Die GDL nimmt nun in Veröffentlichungen Stellung zur Position des Bundesvorsitzenden der Verkehrsgewerkschaft GDBA und des Vorsitzenden des Konzernbetriebsrates zur kürzlich im Aufsichtsrat verabschiedeten neuen Konzernstruktur. In der aktuellen Mitgliederzeitschrift wird erklärt, dass für die GDL die Frage des Verbleibs des Netzes im Konzern nicht die entscheidende Frage sei. Wörtlich heißt es: „Die GDL hat auch grundsätzlich nichts dagegen, dass eine Hierarchieebene im DB-Konzern wegfällt. Das Problem dabei ist jedoch, dass die DB immer mehr zu einer zentral geführten Einheitsgesellschaft wird und dies widerspricht eindeutig den Vorgaben für die zweite und dritte Stufe der Bahnreform. Die strategische Absicht, die Töchter Netz, Personenfern- und -nahverkehr sowie Güterverkehr zu verselbständigen und zu prüfen, ob die Holding noch notwendig ist, wurde auf den Kopf gestellt.“
Aus diesen Aussagen kann man schließen, dass die GDL auf der Seite derer steht, die alles tun, um den Bahnkonzern zu zerschlagen.
Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern muss man die Vorteile eines einheitlich geführten Unternehmens Deutsche Bahn jedoch nicht erläutern. Denn häufige – aus unserer Sicht vielfach unnötige Organisationsveränderungen – haben die Kolleginnen und Kollegen in den letzten Jahren bei ihrer Arbeit immer wieder behindert und verunsichert. Wo vor der Bahnreform Hand in Hand gearbeitet wurde, erschwerten neue Strukturen und bürokratische Barrieren die tägliche Arbeit. Auf einmal war niemand mehr für das Ganze zuständig.
Leidtragende waren auch die Kunden, die sowohl im Personen- als auch im Güterverkehr die Bahn regelmäßig als Ganzes bewerten. Der durch die Unzufriedenheit von Wirtschaft und Bevölkerung entstandene Nachfragerückgang hat Arbeitsplätze gekostet und den Rationalisierungsdruck weiter verstärkt.
Wir erwarten nun, dass bei der Umsetzung der neuen Organisationsstruktur alle Erfahrungen der Eisenbahner berücksichtigt werden. Der Bahnvorstand muss den Beweis für die Funktionsfähigkeit der neuen Struktur erbringen. Denn durch die Veränderung der Strukturen allein werden Ergebnisse noch nicht besser. Gewinne lassen sich nicht herbeisparen. Sie sind auf Dauer nur durch Umsatzsteigerungen erreichbar. Das Ziel der Bahnreform, mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen, muss oberste Konzernstrategie sein.
Es ist natürlich das Recht der GDL, die Dinge anders zu sehen. Die Kolleginnen und Kollegen im Bahnkonzern sollten sehr genau hinschauen, die jeweiligen gewerkschaftlichen Position vergleichen und sich ihre Meinung bilden. Gerade die Kolleginnen und Kollegen des Fahrpersonals dürften sich der Vorteile einheitlicher Tarifbestimmungen in einem einheitlichen Konzern bewusst sein. Denn sie wissen: Unter den Bedingungen eines aufgelösten Konzerns hätten sie beispielsweise im Fall des Verlustes der Betriebsdiensttauglichkeit oder auch aus anderen Gründen, die zum Arbeitsplatzverlust führen, ohne einen konzernweiten Arbeitsmarkt wohl kaum noch Beschäftigungschancen.
Eine Zerschlagung des Bahnkonzerns gefährdet tausende Arbeitsplätze bei der Bahn und in der Industrie. Wir wollen durch unsere Politik Arbeitsplätze für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner sichern. Deshalb gehören auch die Kolleginnen und Kollegen des Fahrpersonals in die Verkehrsgewerkschaft GDBA.
Seite weiterempfehlen Seite drucken