Ist die Versetzung in den Ruhestand künftig gleichbedeutend mit dem Weg in die Sozialhilfe? Angesichts der sich stetig ändernden Rahmenbedingungen der sozialen Sicherungssysteme hatte die Bundesleitung der Senioren am Mittwoch, den 9. April, zu einem „Politischen Forum“ nach Fulda geladen. Die provokante These sollte Anlass geben, die eigene Situation kritisch zu diskutieren. Rund 600 Ruheständler und Rentner nutzen diese Gelegenheit.
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| Fast 600 Senioren waren zum politischen Forum nach Fulda gekommen. Der Saal platze aus allen Nähten. | Von der Möglichkeit, Fragen zu stellen und Kritik zu äußern, wurde während des politischen Forums rege Gebrauch gemacht. |
Der Bundesvorsitzende der Bundesleitung der Senioren, Hans-Werner Schlicht, machte gleich zu Beginn seines Vortrages deutlich, dass Rente und Versorgung keine Almosen seinen sondern eine selbst finanzierte Rücklage, auf die jeder Betroffene einen Anspruch habe. Und deshalb sei der Forderung legitim, dass jeder, der 40 Jahre lang entsprechende Leistungen erbracht habe, nun von seiner Rente oder Pension auch leben können muss. Dies sei aber zunehmend nicht mehr der Fall. Der Weg in die Altersarmut drohe. „Das werden wir verhindern müssen“, so Schlicht.
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| Hans-Werner Schlicht, Vorsitzender der Bundesleitung Senioren, erklärte, dass sich die ältere Generation nicht in die Armutsecke schieben lasse. "Wir werden uns wehren", rief er den gut 600 Anwesenden zu. | Oliver Wagner, Vertriebsdirektor der DEVK, zeigte die Entwicklung der Sozialsysteme von Kaiser Wilhelm bis heute auf. Zugleich machte er deutlich, dass Veränderungen unausweichlich sind, um auch künftigen Generationen noch eine Perspektive bieten zu können. |
Zuvor hatte Oliver Wagner, Vertriebsdirektor der DEVK, deutlich gemacht, dass
in naher Zukunft weitere Einschnitte drohen. Hätten im Jahr 2005 noch drei bis
vier Beitragszahler die Rente eines Rentners finanziert, müsse im Jahr 2050 ein
Beitragszahler die Rente von ein bis zwei Rentnern finanzieren. Das sei völlig
unmöglich. Grund für diese Entwicklung sei die immer weiter ansteigende
Lebenserwartung, vor allem aber die fehlende Nachwuchs. Da in Deutschland immer
weniger Kinder geboren würden, gäbe es auch immer weniger Beitragszahler.
Insofern sei die Aussage des ehemaligen Arbeitsministers Norbert Blüm „Die
Renten sind sicher“ ein wenig zu modifizieren. Heute müsse man sagen „Die Renten
sind sicher - nicht mehr das, was sie mal waren“.
Hans-Werner Schlicht forderte vor diesem Hintergrund mehr Gerechtigkeit ein. Es
könne nicht hingenommen werden, dass sich die Abgeordneten des Bundestages ihre
Diäten erhöhen, gleiches aber den Staatsdienern verwehren. Angesichts der
enormen Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Gas, Strom und Benzin bleibe den
Rentnern und Pensionären jedes Jahr weniger im Geldbeutel. „Wenn das so weiter
geht, haben wir in Deutschland bald wieder frierende Witwen, die in Decken
gehüllt im Wohnzimmer sitzen, weil sie die Heizkosten nicht mehr zahlen können“,
kritisierte Schlicht provozierend.
Zugleich forderte der Vorsitzende der Bundesleitung der Senioren den
Vorsitzenden des dbb, Peter Heesen auf, sich der Sorgen und Nöte der Senioren
anzunehmen. „Wir hätten erwartet, zumindest an der Einmalzahlung beteiligt zu
werden“, machte er deutlich. Der dbb-Vorsitzende müsse endlich mal auf den Tisch
hauen und dafür sorgen, dass auch die Rentner und Pensionäre vom Aufschwung
profitieren.
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| Der Bundesvorsitzende des dbb, Peter Heesen, rief die Senioren auf, gemeinsam mit dem Beamtenbund Strategien zu entwicklen und gemeinsam für deren Umsetzung einzutreten. Der dbb lasse die älteren Mitglieder nicht allein. | GDBA-Chef Klaus-Dieter Hommel machte deutlich, dass sich die Verkehrsgewerkschaft GDBA mit Nachdruck für berechtigte Forderungen der Senioren einsetzen werde. |
Peter Heesen machte deutlich, dass eine Wende in der Alterssicherung nur zu
schaffen sei, wenn alle Betroffenen an einem Strang ziehen würden. Er könne den
Ärger der Rentner und Pensionäre gut verstehen, aber Frust allein löse noch
keine Probleme. Für den dbb sei völlig klar, dass auch die Pensionäre nicht leer
ausgehen dürften. Es sei jedoch ein harter Kampf, entsprechende Forderungen
umzusetzen, da sich die Politik entsprechenden Forderungen verweigere – und
dabei die öffentliche Meinung auf ihrer Seite wisse. „Trotzdem werden wir in
dieser Frage nicht nachlassen und wir werden erfolgreich sein“, so Heesen.
Für den dbb stelle sich in diesem Zusammenhang schon lange die Frage: „Wie gehen
wir mit älteren Menschen um.“ Hier müsse man sachlich und ohne jede Polemik Wege
aufzeigen, die den Interessen von Alt und Jung gerecht werden.
Der Bundesvorsitzende der Verkehrsgewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel,
begrüßte die kritischen Worte aus den Reihen der Seniorenvertretung. Dass gut
600 Rentner und Pensionäre nach Fulda gereist seien, mache deutlich, dass die
GDBA auch weiterhin auf alle Mitglieder zählen könne, auch wenn diese nicht mehr
im aktiven Dienst seien. „Wir werden die Signale aufnehmen“, sagte der
GDBA-Chef, „und uns auch künftig mit Nachdruck für die berechtigten Forderungen
unserer Ruheständler einsetzen“. Dies sei, angesichts der Neiddebatten, die
zunehmend in der Gesellschaft geführt würden, keine leichte Aufgabe, aber eine,
um die es sich zu kämpfen lohne. „Gemeinsam werden wir die notwendigen Erfolge
erringen“, so Hommel. Dies sei in Fulda ganz deutlich geworden.
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